Jammerer
oder Nicht - Jammerer?
Wer kennt
Sie nicht - die Jammerer auf hohem Niveau? Es ist ein
psychologisches Phänomen: am heftigsten jammern immer die Menschen,
denen es (zu) gut geht. Wem es wirklich schlecht geht, der jammert
nicht Beklagt wird sich nur dann, wenn es etwas
zu verlieren gilt. Ältere Menschen jammern tendenziell mehr, denn
sie verlieren ihre Jugend und manchmal auch ihre Gesundheit. Reiche
Menschen jammern mehr, denn sie haben Angst vor der
Armut.
Wohlstand
und Wohlbefinden sind nämlich zwei völlig unabhängige Faktoren.
Fakt ist: Unterm Strich gibt es mehr glücklich arme als glücklich
reiche Menschen. Untersuchungen haben gezeigt, dass sich in den
letzten 60 Jahren der Anteil der Menschen, die rückhaltlos sagen
"Ich bin glücklich" nicht verändert hat. Er liegt bei 15 %. Eine
Trümmerfrau kurz nach dem 2.Weltkrieg war also tendenziell nicht
unglücklicher oder glücklicher als ein durchschnittlicher Mensch in
der heutigen Zeit. Mehr noch: Glücksgefühle ließen sich damals
leichter erzeugen als heute. Die erste Tasse echten Bohnenkaffees
hat früher zu wahren emotionalen Luftsprüngen geführt - nach dem
ganzen Muckefuck in der Zeit der Entbehrung. Dieses Glücksgefühl
löst bei uns die mindestens ebenso wohlschmeckende Tasse aus unerem
modernen Kaffeeautomaten nicht mehr aus. Da müssen schon ganz
andere Register gezogen werden, um ein vergleichbares Glücksmoment
zu generieren
Wenn erst
einmal alles verloren ist - oder es von vorn herein gar nichts zu
verlieren gibt- wird nicht gejammert. Nach dem 2.Weltkrieg war der
Tiefpunkt erreicht- es konnte ja nur besser werden. Alle blickten
optimistisch in die Zukunft und krempelten die Ärmel hoch. Soziale
Hängematten kannte man nicht, dafür aber Eigeninitiative. Und mit
dem Handeln kam das Glücksgefühl - unabhängig vom Wohlstand. Denn
Trägheit macht traurig oder umgekehrt: Glück ist die Folge einer
Tätigkeit.
Manchmal
verselbstständigt sich sogar das Jammern, wird zum Selbstzweck.
Kennen Sie auch solche Menschen? - Für jeden Lösungsvorschlag, den
Sie bieten, fallen ihnen immer gleich drei neue Probleme ein. In
Wahrheit wünschen die sich gar keine Lösung, sondern eine
Bestätigung ihres Problems. Denn auch aus Problemen kann man
Energie ziehen - wenn auch negative.
Glücklich
macht das aber nicht. Und manchmal wächst man selbst in so eine
Situation herein, und ist dann zu betriebsblind, um das selbst noch
zu merken. Wenn wir Glück haben, stellt uns ein guter Freund wieder
die Spur ein, und weist uns auf diesen systematischen Fehler hin.
Doch die meisten Menschen wenden sich dann lieber ab. Man ist
nämlich kein Magnet für seine Mitmenschen, wenn man ständig
negative Energie versprüht.
Wir sollten
uns stets bewusst sein, wie gut es uns eigentlich geht. Immer mal
wieder "Danke" sagen. Auch für die kleinen Dinge des Lebens. Eine
schöne Angewohnheit ist es, wenn man abends kurz vor dem
Einschlafen noch einmal die Glücksmomente des Tages Revue passieren
lässt. Das muss man aber aktiv machen, denn von allein kommen eher
die Augenblicke noch einmal hoch, die nicht so angenehm oder eher
ärgerlich waren .Dankbarkeit für die schönen Momente sorgt für eine
gute Bodenhaftung und gibt uns ein Gefühl dafür, was wirklich
wichtig ist im Leben. Gesundheit mit einem Körper, den man nicht
spürt und einem Geist, der vor Ideen sprüht. Eine Arbeit die uns
erfüllt und eine Partnerschaft, die uns beflügelt, Oft merkt man
erst was man gehabt hat, wenn man verloren hat, was vorher
selbstverständlich hingenommen wurde! Und ganz wichtig: Bewahren
Sie sich Wünsche. Wenn nicht alle in Erfüllung gehen, dann muss das
gar nicht so schlimm sein. Denn es gibt nur zwei Tragödien auf der
Welt: Die eine dass man nicht bekommt, was man sich wünscht. Die
zweite, dass man es bekommt - wobei die zweite die wahre Tragödie
ist (Oscar Wilde)